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Über die Freiheit der beruflichen Perspektive

Mit einem Fixvertrag lebt es sich ganz anders. Lebte ich ehedem in der Überzeugung, in den Lehrberuf schon noch hinein zu finden, war zeitweise hochmotiviert, nicht nur an der Reformation der Kunstpädagogik sondern des Bildungssystems insgesamt mit zu wirken, so befinde ich mich in einem mentalen Umbruch, der mich überhaupt erst bemerken lässt, dass mein Handeln bislang extrinsisch motiviert war. Ich muss mich nun daran gewöhnen, dass ich meine Qualifikationen niemandem mehr beweisen muss, und zumindest den überwiegenden Teil der Lehrendentätigkeiten einfach “gerne" mache. Man kann es deuten als weitere Stufe der von der Gesellschaft zuerkannten Selbstständigkeit: “Dieser Lehrer hat lange genug unterrichtet, wir können nun davon ausgehen, dass er sich selbst motivieren kann.” Eine pessimistischere Perspektive: “Der Lehrer wurde durch Überwachen und Strafen so lange konditioniert, dass nun keine schwerwiegenden Entgleisungen von ihm zu erwarten sind. Er wird in den vorgegebenen Bahnen bleiben.” Tatsächlich ist meine Empfindung groß, zu einem professionellen, gut vorbereiteten Unterricht verpflichtet zu sein und die alternativen Berufsperspektiven vernebeln sich in dem Maß, in dem ich Lebenszeit als Lehrer zubringe. Die offiziellen Barometer stehen, was mich anbelangt auf den Vorzeichen des Lehrers bis zum Pensionsantritt. So sehr die Gesellschaft zuverlässige Arbeiter braucht, um ihr System zu erhalten, so sehr braucht sie aber auch die Perspektive, dass man als freier Mensch dem System nicht sein Leben schuldet. Und was ist es sonst, als Lebenszeit, wenn man in der Klasse steht, wenn man statt weiter zu träumen, aus dem warmen Bett steigt, und verschlafen durch die eisige Kälte zur Arbeit fährt? Im Vergleich zu anderen Formen der Arbeit ist dieser Jammer ein einziges Luxusproblem. Im Vergleich zu den Werten und Absichten einer liberalen Demokratie, aus der Aufklärung erwachsen, dem Geist des Humanismus verpflichtet, ist die Freiheit, das eigene Lebenskonzept zu gestalten, nach eigener Manier leben zu dürfen, das vielleicht wertvollste und zugleich luxuriöse Merkmal unserer Gesellschaft. Niemand ist ganz frei, völlige Freiheit hieße, nicht den Gesetzen der Schwerkraft zu gehorchen, was extreme Unfreiheit mit sich brächte, wenn man nur daran denkt, was es bedeutet, ohne Schwerkraft auf die Toilette zu gehen. Das wäre Inkontinenz umgestülpt ins All.

Vielleicht lohnt es sich, die alte Formel: Die möglichste Freiheit bei dem Zwange- wieder aus der Mottenkiste zu packen. Das heißt aber jedenfalls, nicht ins Lehrerdasein gemeißelt zu sein, wie die erste Schrift in die Keramikfliese.